Da sind rote Flecken vom Telefonieren auf deiner Wange, davon, dass du den Hörer an deine rechte Gesichtshälfte drücktest, Worte in den Hörer lachend, flüsternd, stockend, plötzlich verstummend.
Manchmal fühlst du dich so unbeholfen, so linkisch. Du stolperst durch die Tage und dein Leben und manchmal vergisst du Angst zu haben, zu bangen und zu zittern und auf den Wochenanfang zu warten, auf irgendeinen Tag zu warten, die Luft anzuhalten. Du schaffst es nicht, dieselbe Angst zu empfinden wie am Anfang, es ist zu anstrengend. Du kannst nicht ununterbrochen Angst haben, es geht einfach nicht.
Und auch Misstrauen funktioniert nicht, ohne vorher vertraut zu haben. Inzwischen hältst du automatisch inne, du runzelst die Stirn, lässt eine Augenbraue in die Höhe schnellen, du fragst nach und glaubst keinem Menschen mehr. Weil sich alles inszeniert anfühlt, sabotiert. Das kann kein Zufall sein, denkst du dir, so etwas passiert nicht einfach, da muss jemand am Werk gewesen sein, seine Finger im Spiel gehabt haben.
Du wirst irgendwie ruhiger, du handelst automatisch, ziehst Schuhe und Jacke an, sagst "Ich sollte jetzt gehen", fühlst dich wie ein einziges riesiges Klischee und verlässt die Wohnung. Du gehst die Straße entlang, verfluchst, dich nicht wärmer angezogen zu haben, und rennst, um deine Straßenbahn noch zu erwischen. Du willst manchmal einfach ein bisschen länger schlafen.
Und wenn du nachts Geschirr abwäscht, dann umgibt dich diese seltsame Ruhe. Wenn dein Besuch gegangen ist und du Hände und Teller unter Wasser hältst. Dann lächelst du leise und fühlst dich ein bisschen einsam.
Und wer, wenn nicht du? Wen, wenn nicht dich? Und mit wem, wenn nicht mit dir? Willst du sagen und meinen und fühlen. Da ist so viel gesagt worden. Und so wenig. Nie warst du so weit von Vollkommenheit entfernt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen