Freitag, 4. März 2011

sich ins Zeug legen, aufs Ohr hauen

Gegen Zeit kommt einfach nichts an. Man denkt vielleicht noch Wahnsinn, dieser Mensch, den ich gerade erst kennen gelernt habe, versteht so viel, mich und all die Dinge, die vergangen sind, aber eigentlich nie ganz, die geblieben sind, sich in Narben auf Armen und Schultern und Seelen äußern, und man ist so schrecklich eifersüchtig, so völlig ohne Grund, so irrational, und plötzlich kümmern einen nur noch Menschen, die man eigentlich gar nicht kennt.
Man erkennt in schlichten Zufällen stille Übereinkünfte, erhebt jene Zufälle zu Beweisen, dass sich das Schicksal endlich einmal zu Wort meldet, merkt gar nicht, dass man sich selbst belügt, ist viel zu beschäftigt mit dem bisschen Freude, das man empfindet, wenn man in den Augen eines Fremden so etwas wie Erkennen zu sehen glaubt. "Endlich bist du hier", scheinen sie zu sagen, "endlich angekommen. Wurde auch Zeit."
Aber gegen Zeit kommt nichts an. Du hättest sie dir nehmen, dir welche lassen sollen. Hättest genau überlegen sollen, was du sagst, nicht einfach anfangen zu reden, manchmal merkst du es nicht, deine eigenen Worte überholen dich und deine Gedanken, denken nicht daran, auf dich zu warten, richten Unheil an, auf dem du dann sitzen bleibst.
 
Versau es bloß nicht wieder, sagst du dir jetzt immer wieder, sagst du, wenn es still wird, wenn ihr da sitzt oder steht und es kurz still wird, diese Stille, die euch einfängt. Dann lächelst du und breitest die Arme aus, sagst, du hättest es schön gefunden. Und es ist schon so lange her, dass du die Tür hinter jemandem geschlossen hast und lächeln musstest, gar nicht anders konntest.
Das ist so gefährlich, denkst du dir. Du bewegst dich auf dünnem Eis. Versau es bloß nicht wieder. Zwar versuchst du dir zu sagen - dich zu trösten -, dass das alles nur Ausnahmen waren, Zufälle, Nichtigkeiten im Gesamtgefüge, aber irgendwie kannst du dir nicht so recht glauben. Du spürst die Gefahr, die Anspannung.
Dabei hättest du eigentlich nichts gegen ein bisschen Ruhe.

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