Das Konstrukt, das ich mir aufgebaut habe, ist so fragil, dass es bei dem kleinsten Windstoß zusammenbrechen würde. Ich versuche es abzuschirmen, aber niemand hat genug Einfluss auf andere, um die Kontrolle zu behalten.
Es ist seltsam zu beobachten, wie ich still werde und leicht zittere. Wie ich plötzlich merke, dass da schon immer etwas war und zwar die ganze Zeit über, in der ich nicht daran geglaubt habe, in der ich mich habe täuschen lassen von Oberflächlichkeiten, Halbwertskomplimenten und Kurzzeitgemeinsamkeiten, in der es sich nicht vollends richtig angefühlt hat, immer nur ein bisschen, es war immer nur kurz davor, kurz vor dem Sprung, vor dem Abgrund, vor dem Fallenlassen.
Los- statt Fallenlassen. Losing all hope was freedom. Ich lebe in Buch- und Filmzitaten, ich bin nicht echt. Auf dem Weg durch den Flur stelle ich erstaunt fest, dass es erträglich ist - ich verrenke mir nicht mehr den Hals in Richtung Dachgeschoss, schinde keine Zeit. Sich im Flur aufzuhalten, ist wie Kauen, schießt es mir durch den Kopf.
Es fühlt sich wie Zur-Ruhe-Kommen an, es ist nicht gut oder sicher, es ist nicht einmal akzeptabel, es ist einfach da. Es ist kein Festkrallen, kein Jemanden-in-jedem-Gespräch-Erwähnen, kein Zwangserinnern, kein Sich-Festrennen, es ist das schlichte Wissen, dass es sich einfach nicht (mehr) lohnt.
Bloß frage ich mich, wie es sich anfühlt, etwas mehr zu wollen als alles andere. Wie es ist, jene benennbare Sehnsucht zu empfinden, die auf etwas zielt, die sich anfassen und betrachten lässt.
Ich kann nur spekulieren und mir Antworten, die mir jemand gibt, der etwas wirklich will, ausmalen: Es ist diese Rastlosigkeit, die dich so ausfüllt, die so unstillbar ist, dass du an nichts anderes mehr denken kannst. Du fühlst, dass es richtig und wichtig und etwas, das einen Unterschied macht, ist. Aber gleichzeitig ist es so einnehmend, so Zeit fressend, so zukunftsweisend und dein Leben bestimmend. Du wirst besessen und ich spreche von einer Besessenheit, die dich nicht schlafen und deine Gedanken nicht zur Ruhe kommen lässt, die dir die ganze Zeit ins Ohr flüstert, dass da noch etwas ist, immer mehr.
Und es nicht erreichen zu können fürchtest du genauso sehr wie den Zeitpunkt, in dem du es dein Eigen nennen kannst. Weil du Angst hast - noch nie im Leben hast du solch eine Angst empfunden -, es würde dir nicht die Sorgen und Albträume nehmen, dich nicht ausfüllen, nicht retten.
Ich seh(n)e mich - nicht.
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