Mittwoch, 2. Februar 2011

un-/-less

Du musst dich nur entscheiden, von einem Tag auf den anderen. Alles geht von einem Tag auf den anderen. Mit dem Rauchen aufhören, aber das willst du nicht, manchmal, da glaubst du daran, was auf den kleinen Warnhinweisen steht, und du bekommst dieses Glänzen in den Augen, eine stille Sehnsucht, bis du wieder zu dir kommst, schief lächelst und über Nicht-Entscheidungen nachdenkst.
Und in jenen schwachen, naiven Momenten, die sich in letzter Zeit häufen, sagst du dir "Mach das Beste draus, du packst das schon", bis du dich verrennst und festfährst und alles furchtbar eng und stickig wird.
Da sind so viele Momente Leben, die du dir einfach ausdenkst. Du lehnst an einer unnatürlich leuchtenden Werbetafel, auf der ein überdimensionales Frauengesicht allen Vorbeigehenden ein breites Lächeln schenkt. Ihre Zähne sind unerträglich weiß. "Freiheit - ab 799€", meinst du dich zu erinnern. Du lehnst dort und glaubst, zwei Menschen hinter der großen Frau zu wissen. Glauben, wissen und verzweifeln. Du bist so mittendrin in deiner Geschichte, dass du hinter die Fassade blicken musst und du bist beinahe überrascht, weil dort nicht das ist, was da sein müsste.
Wieso machst du das, fragst du dich noch kurz vorm Einsteigen, kurz vor halb sechs, kurz vorm Ein- und Abtauchen. Auftauchen, denkst du, tauch auf, meld dich doch mal. Aber du brauchst dich nicht schlecht zu fühlen, du musst nicht traurig sein, nur weil da Menschen sind, die nichts mehr von dir wissen wollen. Es besteht schlichtweg keine Notwendigkeit, sich so zu fühlen. Hör auf, in jedem vorbeiziehenden Schemen den zu sehen, den zu sehen du fürchtest. Ein bisschen scheinst du das zu brauchen, die Angst im Nacken, jene allgegenwärtige Achtsamkeit, die dich nicht schlafen lässt.

Und die guten Momente - die wirklich schönen, die du kaum erträgst, weil sie so schrecklich schön sind -, die merkst du dir, krampf- und zwanghaft. Hältst dich an, sie bloß nicht zu vergessen. Es sind zwei.

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