Sonntag, 28. November 2010

Quallen-Qualen

Ich rutsche auf grauen Hausschuhen durch die Wohnung und mache mir Gedanken über mein Gewissen. Ich trinke sogar Tee. Was ich sonst nicht mache. Nie gemacht habe. Zuhause jedenfalls nicht. Jetzt ist Zuhause wohl hier. Trotzdem spreche ich davon, über Weihnachten nach Hause zu fahren. Und Silvester wieder zurück. Bloß - wo ist Zurück?
Ich kaufe Fitness-Käse und kann nicht umhin mir vorzustellen, wie sich ein stattliches Käsestück abmüht und Gewichte stemmt. "Serviervorschlag", lese ich überall und denke an die Wahrscheinlichkeit (Assoziation: Fische - oder Bäume), dass das abgebildete Essen aus Plastik ist. Was muss man wohl machen, um Essen fotografieren zu können? Nicht dass ich das vorhätte.
Eine Zukunft habe ich trotzdem nicht. Hat niemand, den ich treffe und der das gleiche macht wie ich. "War das hier deine erste Wahl?", frage ich immer und kenne die Antwort vorher schon. Ich halte mir den Spiegel vor, enttarne mein - nein, unser - auf-der-Stelle-Treten und tue so, als gäbe es keine Alternative.
"Das Beste vom Schlechtesten", heißt es immer. Wir stürzen uns auf Rituale, die beinahe nur aus dem Montagsglühwein zu bestehen scheinen. Der Mann dort kennt uns inzwischen. "Na", sagt er und irgendwas anderes. Wir stehen dort und zittern und führen den Plastikbecher zum Mund, jeder für sich.
"Wie groß die Enten im Vergleich zu den Tauben sind", sage ich und atme aus. Man kann den Rauch gar nicht von der gefrorenen Luft unterscheiden. Meistens ist es beides. Menschlicher Nebel. Nur der Schnee - der erste Schnee verliert seinen Zauber. Ich stehe am Fenster, fürchte mich vor meiner Vermieterin und kann einfach nicht hinter das Weiß blicken.

Es ist anders, aber nicht anders genug. Nicht so anders, dass es zählen würde. Zwischen Wirklichkeit und Wirkung besteht kein Unterschied mehr. Der Fernseher läuft ohne Ton und "das, was wirkt, ist wirklich", lese ich irgendwo - nur ein bisschen anders - und nicke.

4 Kommentare:

  1. finde ich sehr schön irgendwie... natürlich nicht die bedeutung des inhaltes...
    aber iwie so schön traurig
    heute will ich am liebsten den ganzen tag weinen, um alles und jeden und was wir verlieren und nie erreichen und überhaupt...

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  2. Na, das hat doch auch was..obwohl Erfurt irgendwie so'n "Postkartenstädtchen" ist..und was machst du jetzt?

    - die, die sich nicht mehr einloggen kann..warum auch immer -.-

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  3. Ich warte noch immer auf ein Briefchen von diiiiir ._.
    Grüße, L.

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  4. "eine zukunft haben" tut jeder. das ist es ja. sie klebt an dir wie ein schatten. sie frisst dich auf, von innen. (so fuehlt es sich an.)

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