Und plötzlich bin ich wieder zuhause. Ich merke es an dem großen Bett und den einander auffressenden Tieren auf meinem Teppich. ("Die spielen doch nur", hat Mama immer gesagt, ich verzog nur meine Mundwinkel zu einem halbherzigen Lächeln.) An der Anwesenheit eines Druckers und dem Essen, um das ich mich nicht kümmern muss.
Nur manchmal bin ich so wütend, dass ich kaum noch reden kann. "Neunzig Minuten Verspätung", hallt es durch den Bahnhof, "wir danken Ihnen für Ihr Verständnis." Dann presse ich den Hörer so fest an mein Ohr, dass es wehtut, ich zische böse, die Luft verpestende Worte, balle die Fäuste, obwohl es niemand sieht - ich bin zwölf Jahre alt. "Ich komm' nie wieder", sage ich und bereue es im nächsten Moment. Mein Koffer kapituliert.
Da sind so viele Fragen, die ich mir notiere und die ich noch beantworten will. Ich mach's schon noch, sag' ich mir, früher oder später finden alle Antworten zu ihren Fragen, sie waren schon von Anfang an da, bloß nicht an Ort und Stelle. Ich muss mir durch das Universum schwebende Puzzlestücke vorstellen, die ihre Gesichter schmerzhaft verziehen. X frisst Y.
Und was mich rührt, ist die Seife auf meinem Nachttisch. "Raspberry & Vanilla", lese ich und fühle mich miserabel. Ab jetzt werde ich nur noch älter. Und verbitterter.
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