Während ich feststelle, dass Kapuzen fast nie den gesamten Kopf bedecken, der Himmel sich immer mehr verdunkelt und mir alle Leute, die ich nach dem Weg frage, Abwandlungen von "Oh, das ist weit, da würd' ich mir ein Taxi nehmen" entgegenschmettern, zweifle ich ein bisschen an meiner Entscheidung, allein in eine fremde Stadt zu fahren und zu versuchen, ein Gebäude zu finden, das einst ein Schlachthof war, inzwischen aber Bässe und schwitzende, kotzende, in Ecken zusammenbrechende Menschen beherbergt.
"Ich könnte auch einfach wieder fahren", schießt es mir zwischen Kehrtwendung und dem ein oder anderen "Ich bin auch nicht von hier" durch den Kopf. Ein Hinweisschild, das traurig an einer Straßenlaterne im Wind flattert und dem Regen trotzt, überzeugt mich dann aber, und statt mir Gedanken darüber zu machen, ob ich jemals wieder den Weg zurück zum Bahnhof finde, lasse ich mir ein gelbes Bändchen um mein Handgelenk legen.
Irgendwann streckt sich mir eine Hand entgegen und aus den Zweifeln und diesem unbestimmten Gefühl, ganz allein zu sein - nur ein Bier in einem Plastikbecher in der Hand -, verwandelt sich in Erleichterung und lächelnde Münder, in wärmende Hände und ein bisschen Zuversicht. Nur die Nettigkeit macht mich misstrauisch. "Die Leute in der ehemaligen DDR sind einfach netter", sagte man mir vor zwei Tagen noch am Telefon. Vielleicht stimmt's ja, vielleicht bin ich's einfach noch nicht gewohnt.
Mich umfassende Hände und Pöbelei am Bahnhof. "Rauchen wir noch eine?" Und irgendwo bleiben wir dann stehen, um des Stehens willen vielleicht, oder um nicht in eine dieser großen Pfützen zu treten. Mein Zug fährt um 5:07 Uhr. "Bereust du es schon?", frage ich immer wieder und werde süchtig nach dem "Nein". In der Fahrstuhlscheibe betrachte ich unser Spiegelbild. Eigentlich sehen wir ganz gut zusammen aus.
oh das klingt ja gut :)
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magst nich mal wieder schreiben? wie gefällts dir überhaupt in der neuen stadt? und wie is es mit wohnung und studium?
lg