Freitag, 17. September 2010

sternocleidomastoideus

Ich denke lieber an/in Banalitäten, Banalitätseinheiten, glaube an den Zauber der Verdrängung. Das Rot würde sich besser machen, wenn meine Haare dunkler wären. Oder heller. Ganz oder gar nicht, denke ich. Kein Phantasmagoria also, denke ich, ganz oder gar nicht eben. Keine Kompromisse, die vertragen sich nicht mit Lebenswerken und Selbstverwirklichung.
Worte verlieren zu schnell ihren Zauber. Nur Antonia ist dazu imstande, dem entgegenzuwirken. Hoffentlich ist es in Ordnung, wenn ich sie beim Vornamen nenne. Ich denke an den Nachbarsjungen, der inzwischen schon viel zu groß, viel zu erwachsen geworden sein muss. Und an Aschenbecher auf der Terrasse.
Macht nichts / Schon gut / Was soll's - Phrasen des Gleichmuts und ein verirrter Zahnpaste-Rest an meinem Mundwinkel. Ich sitze in der Küche und sehe beim Achteln von Pflaumen zu. Sehe, wie das Messer in die lila-blaue Pflaumenhaut schneidet, obwohl es beinahe stumpf ist. Ein Glück, dass unsere nicht so unnachgiebig ist, denke ich.
Waschmaschinen-Instruktionen schreibe ich mir auf und unterstreiche es zweimal. Mein Knie rebelliert, es klingt, als wollte es mich davor bewahren, die einzelnen Kleidungsstücke zu sortieren und mich in Selbstständigkeit zu üben. Hätte es ein Gesicht, würde es jetzt wohl müde lächeln, mit der Zunge schnalzen und ganz schwach den Kopf schütteln. Gruselige Vorstellung, so ein Knie mit Gesicht.
Wie gesagt, lieber denke ich an Banalitäten, verschreibe mich den Nichtigkeiten. Eigentlich interessiere ich mich für nichts, nur manchmal - wirklich selten - will ich die Frage stellen, die mich wirklich interessiert, eigentlich die einzige, die mir am Herzen liegt. Glaubst du, dass etwas, das auf einem lastet, über das man aber nicht spricht, nie spricht, glaubst du, dass es irgendwann einfach von selbst verschwindet?

2 Kommentare:

  1. ich würde unheimlich gern mal ein buch lesen, das du geschrieben hast... da dachte ich so grade :)

    dein schreibstil ist einfach anders, erfrischend...

    ich denke nicht, dass solche lasten sich in luft auflösen
    aber mit genug verdrängung mag man sich das einbilden können
    doch irgendwann holt es einen immer ein, das ist zumindest so meine meinung

    was bedrückt dich denn? kannst du es niemandem anvertrauen?

    ich habe immer das seltsame gefühl, absolut unter stimmungsschwankungen zu leiden, ständig geht es auf und ab
    dabei ist die pubertät ja wohl vorbei, oder?
    was soll das? es ist doch melodramatisch, ständig wegen nichts rumzuheulen oder mies drauf oder verzweifelt zu sein, oder nicht?
    wenn es mir doch eigentlich super geht?
    gehen sollte

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  2. Halloooo. Es soll nicht so aussehen, als würde ich nicht lesen, was du schreibst, also kommentiere ich, obwohl ich nicht gerne etwas sage, von dem ich mir nicht hundertprozentig sicher bin, dass es angebracht, korrekt und gut ist.
    Und die letzten zwei Sätze klingen lange nach..
    Gruß, Lina.

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